Die Sache mit der Nachhaltigkeit. Und das Streben nach Perfektion.


Als ich noch Veganer war, wurde ich desöfteren damit konfrontiert, dass meine Lebensweise ja auch nicht perfekt wäre. Denn im Grunde wäre vegan zu leben Heuchelei. Schließlich nimmt man Fliegen während des Autofahrens ja auch das Leben. Überhaupt dürfte man nicht mehr Auto fahren, denn ökologisch ist das auch wieder nicht. Und Medikamente werden auch an Tieren getestet. Folglich sind diese ebenso wenig vegan, wie die Tatsache, dass für das Umpflügen von Acker Kleintiere sterben müssen. Eine Tatsache, die man als Veganer ja gerne mal „ignoriert“.

Alles in allem: Selbst wenn man sich bemüht in so vielen Lebensbereichen wie möglich nachhaltig und tierethisch zu leben, so wird es immer jemanden geben, der einen für die Schlupflöcher kleinster Imperfektion kritisieren wird.

Doch das ist okay.
Denn wir müssen nicht perfekt sein.

Zumindest habe ich für mich nicht das Bestreben danach. Sonst wäre die Liste der Dinge, auf die ich achten müsste und sollte wohl endlos. Und womöglich auch unerreichbar.

Es gibt nicht immer nur eine Wahrheit.

Die Wahrheit. Diese und keine andere. Die einzig Wahre.
Welche ist es?

Wir Menschen sind verschieden. Betrachten die Dinge ausgehend von unterschiedlichen Erfahrungswerten, manchmal auch verschiedenen Perspektiven. So mag etwas für den einen wahr sein, für einen anderen nicht.

Früher war vegan zu leben, oder besser gesagt, mich so zu ernähren (denn vegan in sonstigen Lebensbereichen lebe ich ja immer noch), die einzig logische Konsequenz. Denn ich wollte mich mit der Industrie, welche hinter der Produktion von Tierprodukten steckt, nicht länger identifizieren. Dennoch hatte sich im Laufe der Zeit etwas geändert, wodurch ich begann ab und an auch wieder vegetarisch zu essen.

Alles andere als noch perfekt. So gab es verständlicherweise dann auch Stimmen, die mir ins Gewissen redeten. Warum ich denn wieder Käse esse, sollte ich doch an die Tiere denken. Ein Umstand, mir wohl bekannt. Und dennoch… Ich möchte nicht mehr perfekt sein. Und das erwarte ich auch nicht von anderen. Denn wir alle haben unsere schwachen Momente. Bereiche, in denen wir vielleicht gerne etwas ändern würden, es aber nicht können. Aufgrund äußerer oder vielleicht innerer Umstände.

Bezogen auf das Thema Nachhaltigkeit gilt wohl dasselbe. Manche leben streng ZeroWaste, andere wiederum machen hier und da eine Kleinigkeit.
Wer ist nun besser? Perfekter?

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Oder geht es nicht viel mehr darum das zu tun, was ein jeder von uns in der Lage ist umzusetzen? So können wir alle auch mit kleinen Schriten etwas mehr Nachhaltigkeit in unseren Alltag bringen.
Denn, dass der Klimawandel allmählich, sogar spürbar, an unsere Haustür klopft, das lässt sich wohl kaum bestreiten. Genauso wie, dass hierfür mehrere Faktoren verantwortlich sind. Einerseits unsere Ernährung. Dann wiederum die Abrodung des Regenwaldes, auch begünstigt durch die Produktion von Palmöl. Oder der weltweite Straßenverkehr sowie lange Transportwege. Überhaupt zieht die gesamte moderne Globalisierung ihren Schatten über unseren Globus.
Auch Plastik ist so eine Sache. Zwar ein günstiger Rohstoff, aber dennoch einer, der uns wohl alle überdauern wird.

Beschäftigt man sich mit derartigen Themen, ergibt eines oftmals, fast schon zwanghaft, das andere. Denn ein jeder Faktor ist irgendwo mit einander verbunden und bildet am Ende eine lange Kette der Kausalität.
Und angesichts dieser kann man schnell in den Drang der Perfektion verfallen. Denn man möchte ja alles richtig machen. Und da ist so viel um das man sich Gedanken machen und das man verbessern sollte.

Ich selbst bin auch nicht perfekt. Ich versuche lediglich das umzusetzen, das mir im Alltag möglich ist. Und mal gelingt mir das besser, mal weniger gut.
Ich versuche etwas mehr auf nachhalitge Kleidung zu achten, verwende im Bad einen Rasierhobel. Zum Abschminken waschbare Abschminkpads mit Kokosöl. Für die Haare eine Haarseife. Tierversuchsfreie und vegane Kosmetik. Und dann sind es noch sonstige Dinge, beispielsweise die Reduktion von Plastik in Sachen ZeroWaste, die ich versuche nach Möglichkeit umzusetzen.

Dennoch, von Perfektion bin ich weit entfernt.

Und selbst, wenn ich denke, dass ich eigentlich schon einiges tue, denke ich oft, dass ich mehr machen sollte. Denn, was bin ich sonst für ein Vorbild?
Daher lese ich mitunter auf anderen Blogs, dass sich die Blogger Gedanken darüber machen einen Shitstorm zu erwarten, wenn sie etwas nicht ganz so Nachhaltiges tun. Wie beispielsweise in Urlaub fliegen. Oder mal ein Produkt mit Plastikverpackung in die Kamera zu halten.

Kritische Stimmen sind mir, spätestens seit ich mit dem Bloggen begonnen habe, mehr als bekannt. Insofern, kritisiert werden wird man immer. Viel wichtiger ist es, finde ich, mit seinen eigenen Entscheidungen leben zu können und zu diesen zu stehen.
Daher: Nein, perfekt bin ich nicht. Ich könnte besser sein.
Dennoch versuche ich bewusster zu handeln. In den Bereichen, in welchen es mir möglich ist.

Vielmehr möchte ich inspirieren. Denn ich finde, durch Inspiration erreichen wir mehr, als durch den Druck möglichst perfekt zu sein.

Oder was denkt ihr?

 

Fotos: Pexels.com

7 Kommentare zu „Die Sache mit der Nachhaltigkeit. Und das Streben nach Perfektion.

  1. Wenn man wirklich alles Bedenken wollte, müsste man wie die Jain in Indien leben, nackt herumlaufen (brrrr), nur ungekochte Früchte essen, vor sich den Weg fegen, damit man keine Kleintiere umbringt etc. etc. und dennoch: Wenn ich atme töte ich die Luft. Wir müssen uns immer für das kleinste Übel entscheiden, denn mit allem, was wir tun, schaden wir der Umwelt, und als Vegetarier töten wir ja auch Pflanzen. Aber das mit dem kleinsten Übel gilt ja auch für uns selber, was ist für uns das kleinste Übel? Und da sind Pflanzen das kleinere, denn Tiere sind uns viel zu nah verwandt. So sehe ich das jedenfalls.

    Gefällt 1 Person

    1. Hi,
      ja, das stimmt. Würden wir auf alles achten wollen, müssten wir uns sehr einschränken. Ginge es um Perfektion wohl fast bis zu einem Punkt, ab welchem ein normaler Alltag, ein normales Leben fast schon gar nicht mehr möglich wäre/ist.
      Auf alles achten können wir da wohl nicht. Hierbei müssen wir dann, ein jeder für sich selbst, abwägen was das größere und was das kleinere Übel ist.

      Lg

      Gefällt 1 Person

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