Let´s talk about Body positivity. Oder: Die Sache mit den Schönheitsidealen


Schönheit ist ja bekanntlich subjektiv. Was dem einen gefällt, mag ein anderer vielleicht nicht. Und umgekehrt. Und dennoch ist es immer wieder ein Thema, das zu medialen Diskussionen anregt. Bewegungen wie solche, die sich mit Body positivity auseinandersetzen und dafür plädieren, dass ein jeder Körpertyp schön und einzigartig ist, wollen das Gegenpendant zu gängigen Schönheitsidealen darstellen.
#Effyourbeautystandards, lautet dabei einer der vielen Hashtags in den sozialen Netzwerken. Gleich bedeutend mit #healthateverysize. Aus meiner Sicht eher kritisch. Denn nicht alles was mit Body positivity modernerweise betitelt wird, ist es bei genauerer Betrachtung auch.

Denn nicht nur das medial gehypte Schönheitsideal von 90/60/90 hat seine Schattenseiten, die Body posiivity Bewegung in gewissen Belangen auch.

Eine kritisch zu betrachtende Äußerung in den Augen so mancher, wie ich teilweise festgestellt habe. Denn „typisch“, wenn eine schlanke Person solche Kritik äußert. Die Erwähnung gesundheitlicher Aspekte gleichbedeutend mit Abwertung der ganzen Person an sich.

Doch erst einmal der Reihe nach…

Was ist Bodypositivity eigentlich?

Eine Bewegung, die dafür plädiert, dass jeder Körper schön ist. Ganz gleich seiner Optik. So soll jeder Körper so akzeptiert werden wie er ist, unabhängig von seinem Aussehen. Und dadurch, so das Bestreben der Bewegung, sollen sich auch die Ansichten zu bestimmten Produkten ändern.
Insgesamt sollten unrealistische Schönheitsideale bekämpft und das Selbstwertgefühl des Einzelnen gestärkt werden. Denn, nach Ansichten der Bewegung, sind Schönheitsideale nichts weiter als Konstrukte der Gesellschaft, die das Selbstwertgefühl des Einzelnen nicht beeinflussen sollten.

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Gute Statements. Denn nicht selten heißt es, dass unrealistische Schönheitsideale nicht nur einen negativen Bezug zum eigenen Körper fördern, sondern auch mitunter ein gestörtes Essverhalten zur Folge haben können.
Sieht man die ganzen perfekten Körper, nicht nur in Modezeitschriften, heutzutage auch vermehrt in sozialen Netzwerken, kann das schon einen gewissen Einfluss auf unsere Selbstwahrnehmung haben.

Daher sollten Models auch nicht zu dünn sein. Schließlich vermittelt genau das ein falsches Körperbild.

Magermodels – kritische Vorbilder

Die Modeindustrie hatte es lange vorgelebt. Models, die manches Mal schlanker, wenn nicht gar dünner waren, als die vorgeschriebenen Maße von 90/60/90. So war in medialen Kritiken nicht selten der Tenor zu hören, dass genau solche Frauenkörper ein falsches Körperimage vermittelten. Dicht gefolgt von angestrebten Konfektionsgrößen wie beispielsweise Size Zero. Kleidergröße 36 und noch weniger. Ein Standard, dem keine durchschnittliche Frau wirklich entspricht.

Laut Modeinstrudie zumindest, beginnt „Plus Size“ bereits ab Kleidergröße 38.
Surreal, bedenkt man, dass die deutsche Durchschnittsfrau Konfektionsgröße 42 bis 44 trägt, etwa 165 cm groß ist und 68 Kilogramm wiegt.

Die Mode-, Kosmetik- oder welche Industrie auch immer, sollte uns keine surrealen Körperbilder vermitteln. Denn krankhaft dünn ist auch nicht gesund. Zumindest dann, wenn es sich um das Resultat einer Essstörung handelt.
Aus eigener Erfahrung mit Anorexia nervosa kann ich sagen, dass das wirklich kein erstrebenswertes Ziel ist. Es muss keine vier auf der Waage erscheinen, damit man als schön gilt. Oder sich selbst als schön empfindet.

Das inzwischen verstorbene Model Isabell Caro, das 2007 Leitbild einer Kampagne gegen Magersucht in der Modeindustrie war, zeigte was die Folgen dieser Krankheit sein können.

Bilder der Imperperfektion

Embrace your own imperfections

Denn niemand von uns ist wirklich perfekt. Auch diejenigen, die nach außen hin so wirken, sind es nicht. Auf Plakatwänden, in Werbespots, und auch in den sozialen Netzwerken ist nicht immer alles echt. Vieles sind heutzutage Filter und Photoshop, der entsprechende Kamerawinkel und so manches mehr.
In Frankreich müssen Modeaufnahmen, die mit Photoshop nachbearbeitet wurden auch als solche gekennzeichnet werden. Genau diese Kennzeichnungspflicht soll u.a. dabei helfen gegen Magersucht vorzugehen.
Doch es dient auch dazu, damit wir wissen, dass das was wir da zu Gesicht bekommen, nicht einhundert Prozent echt ist. Ein Aspekt, den manche von uns vielleicht vergessen könnten, wenn sie einmal wieder dabei sind die idealisierten Abbilder anderer zu betrachten und dabei an sich selbst herumzukritisieren.

Niemand von uns ist perfekt. Und das ist auch gut so. Denn, wenn wir alle irgendwelchen Beautystandards entsprechen würden, wäre die Welt doch ganz schön langweilig. Oder etwa nicht?
Da kann Photoshop noch so viel wegretuschieren. Eigentlich ist es doch viel eher eine Bestätigung, sich genau das zu Gemüte zu führen. Dass sogar die scheinbar perfekten Models retuschiert werden.
Oder ist genau das nicht eigentlich vielmehr traurig? Dass sogar Models retuschiert werden? Weil sie scheinbar nicht perfekt genug sind.
Leben wir daher nicht vielmehr in einer Art Traumwelt. In der sogar vermeintliche Perfektion nicht perfekt genug ist? Sodass uns letzten Endes eigentlich nur noch surreale Bildnisse von Plakatwänden oder Internet-Werbe-Ads entgegen lächeln?

Dem entgegen steht nun seit einigen Jahren die Body positivity-Bewegung. Eine solche, die für mehr Akzeptanz verschiedener Körpersilhouetten ist. Egal ob schlank, vollschlank, mit Orangenhaut usw.

Denn mal ehrlich, Orangenhaut haben wir alle. Auch schlanke Frauen haben sie. (Ja, ich auch.) Und ich denke, dass genau das auch der Männerwelt bewusst ist. Denn während wir Frauen so manches Mal Zeit damit verbringen an uns rumzumäkeln, weil wir ja nicht Schönheitsideal X entsprechen, und sich unsere Orangenhaut zeigt, ist das der Männerwelt wohl herzlich egal.
(Zumindest ist genau das eine Aussage, die ich von Männern öfter zu hören bekomme. Und wer könnte glaubhafter für sich selbst sprechen, als Männer selbst.)

Es darf gerne natürlich „imperfekt“ sein. Denn genau das ist schön.

Meiner Ansicht nach ein positiver Aspekt der Body positivity Bewegung, wenn es darum geht zu zeigen, dass es nicht nur ein Körperimage gibt, sondern viele verschiedene. Und dass genau das auch gut so ist.

Doch bei allem Positiven, gibt es auch hier gewisse Schattenseiten.

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Die Schattenseite von Body positivity

Warum gilt das, was für Magermodels gilt, nicht auch für Plus Size Models?

Eine einfache und doch mancherseits umstrittene Frage. Denn: Dare you! Klar, dass das aus dem Mund eines schlanken Menschen stammen muss.

So in etwa manches Mal der Tenor.

Doch was macht diese Frage so schlimm?

Wenn ich von Plus Size spreche, dann gewiss nicht von der surrealen Zahl einer Konfektionsgröße 38. Sondern davon, wenn es in den Bereich der Fettleibigkeit geht.

Health at every size, ist eines dieser Statements, das gerne via Hashtag im Social Media Jungle viral geht und manches Mal mit der heutigen Body positivity-Bewegung in Verbindung gebracht werden.

Nicht falsch verstehen, sich für die Schönheit verschiedener Körpertypen einzusetzen, ist eine gute Sache. Zu zeigen, dass es unterschiedliche Auffassungen von Schönheit gibt auch. Dennoch kritisch: Die Behauptung, dass man mit jeder Körperfülle gleichwertig gesund sein könne.

Auch nicht schlimm finde ich, wenn Models wie Tess Holiday das Cover von Modezeitschriften bilden. Doch wenn es in den Bereich fällt, in welchem man nicht mehr realistisch sich selbst gegenüber ist, wird es aus meiner Sicht gefährlich. Und driftet damit in dieselbe Richtung wie die der umstrittenen Magermodels.
Daher betrachte ich auch solche Vorbilder der Body positivity Bewegung wie Tess Holiday dann doch als kritisch. Nicht wegen ihrer 150 Kilogramm Körpergewicht, sondern wegen der Message, die sie promoten. Nämlich Health at every size. Und dass das Bestreben abnehmen zu wollen nicht body positiv wäre. So etwas ist aus meiner Sicht eine gleichwertig gefährliche Vermittlung bedenklicher Sichtweisen wie das krankhafte Bestreben nach Size Zero.

Denn was Health at every size dann bedeuten müsste wäre: Auch stark untergewichtig, nachweislich anorexisch, kann man bei bester Gesundheit sein. Genauso wie fettleibig. Und nichts und niemand hat einen deshalb zu „belehren“.

Body positivity hat für mich persönlich daher auch etwas mit Selbstfürsorge zu tun. Damit, realistisch zu mir selbst zu sein, wenn etwas ungesund, vielleicht langfristig gesehen sogar schädlich für mich selbst ist.
Daher ist aus meiner Sicht nicht alles an der Body positivity Bewegung auch gleichwertig positiv. Nicht, wenn bei der zaghaften Erwähnung solcher Kritikpunkte gleich von Fatshaming die Rede ist.

Denn wenn dem so ist, dann müssten Kampagnen wie die des verstorbenen Models Isabell Caro, gleichwertiges Thinshaming sein.

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Wir sind wie wir sind

Jeder von uns ist anders.
Persönlich habe ich daher nie verstanden warum manche über andere wegen ihres Aussehens lästern. Egal ob dick oder dünn, eine große Nase, oder was auch immer, das sollte meiner Ansicht nach keine Rolle spielen einander gut und fair zu behandeln.
Denn auch die Worte anderer können uns im Bezug zu uns selbst negativ beeinflussen.
Nicht alles ist einzig und allein auf die Mode- und Werbeindustrie zurück zu führen. Meist ist es viel komplexer.

Wir werden auch nie jedem gefallen können. Denn es wird immer hier und da Menschen geben, denen unsere Optik vielleicht nicht gefällt. Und auch das ist in Ordnung. Denn wir müssen auch nicht jedem gefallen.
Am wichtigsten ist, dass wir uns in uns selbst wohl fühlen und lernen unsere Schönheit zu erkennen.

Was sind eigentlich eure Gedanken zu Body positivity?

 

Fotos: Pexels.com

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