Warum der BMI nicht aussagekräftig ist.


Wenn es darum geht einzuschätzen in welchem Bereich unser Gewicht rangiert, egal ob Normalgewicht oder Übergewicht, ist die wohl gängigste Methode dafür die Erfassung des BMI. Oder auch Body-Mass-Index genannt.
Doch wie zuverlässig ist diese Art der Erfassung wirklich? Was sagt der BMI eigentlich genau aus? Und gilt dieser für alle Personengruppen gleichermaßen?

Bislang galt der BMI als das Mittel, wenn man eine Einschätzung über die Beschaffenheit seines Körpers haben wollte. Doch so manches am sogenannten Body-Mass-Index lässt doch so manche Zweifel entstehen.

Doch zuerst…

Wozu genau ist der BMI eigentlich?

Schon seit jeher machten sich Mediziner, aber auch Vertreter diverser Versicherungen Gedanken um die Beschaffenheit des Menschen in Relation zu seinem Gewicht. So erdachte 1982 Adolphe Quetelet einen Messwert-Index, welcher Quetelet-Kaup-Index oder auch Körpermasse-Index (KMI) genannt wurde.
Im Jahr 1997 legte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den bis heute bekannten „Body Mass Index“ (BMI) als weltweit geltenden Standard-Messwert fest.

BMI2

(BMI nach WHO/NRC)

Wie wird der BMI ausgerechnet?

Inzwischen gibt es fast für alles entsprechende Rechner im Internet. Doch wer es genauer haben möchte, bedient sich folgender Formel:

Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße (in Metern) hoch zwei.

Auf diese Weise errechnet sich der BMI einer 1,74 m großen Frau, welche 69 kg wiegt wie folgt:

69 : 1,74² = 22,79

Rein rechnerisch werden hierbei Körpergröße und Gewicht in Relation zu einander betractet.

In erster Linie kann der BMI einen Richtwert liefern in welchem Gewichtsbereich wir uns in Relation zu unserer Körpergröße bewegen. Dennoch werden genauere Betrachtungen hierbei außen vor gelassen, weshalb der BMI in so manchen Belangen doch als zu unspezifisch gilt.

Die Kritik am BMI

Ein Schlüsselpunkt, den der BMI außen vor lässt ist die Betrachtung des Lebensalters und der damit einhergehenden Veränderungen im menschlichen Körper. So baut etwa ab dem 35. Lebensjahr der Körper Muskelmasse ab, wodurch sich der Körperfettanteil erhöht. Dieser natürliche Muskelabbau in fortschreitendem Alter wird auch Sarkopenie genannt. Auf diese Weise ändert sich in höherem Alter folglich auch die Verteilung von Fett zu Muskelmasse.
Muskelmasse aber wiederum ist für die Verbrennung von Fett verantwortlich. Desto mehr Muskelmasse ein Mensch besitzt, desto höher auch folglich die Fettverbrennung. Insofern kann man sich nicht allein auf das Gewicht als Richtwert verlassen. Denn Muskelmasse wiegt auch schwerer als Fett. Sonst könnte ein Kraftsportler mit geringerem Fettanteil, laut BMI, mitunter als adipös gelten. Obwohl er das natürlich nicht ist.
Allein an Hand des BMI-Messwertes würde man dann wohl zu einer Diät mit Gewichtsreduktion raten, was schlichtweg unnötig wäre.

Anders ist es auch, wenn ein Mensch zwar schlank und einen BMI im Normalgewichtsbereich hat, jedoch einen geringen Anteil an Muskel-, dafür einen erhöhten Körperfettanteil aufweist. Sogenanntes Skinny-fat kann genauso ungesund sein wie zu hohes Übergewicht. Im Grunde bedeutet das simpel, dass die Person zwar schlank aussieht und auch dem BMI nach im Normalgewichtsbereich rangiert, jedoch einen sehr geringen Anteil an Muskelmasse sowie einen erhöhten Fettanteil aufweist. Sogenanntes Viszerales Fett kann hierbei schnell bedenklich werden.

Durch diese Kritikpunkte wird der BMI als Messinstrument zu ungenau.
Hinsichtlich des Alters erstellte das amerikanische NRC (National Research Council) eine BMI Tabelle, in der nach Altersgruppen unterschieden wurde. Diese sieht dann wie folgt aus:

BMI3

Inzwischen erkennt man an, dass die reine Gewichtsverteilung gegenüber der Körpergröße zu unspezifisch ist. Viel interessanter ist hierbei die Zusammensetzung des Körpers an sich. Sprich, der Anteil an Muskelmasse zu Fett und in welchen Bereichen sich dieses anlagert. Denn lagert sich Fett vor allem an Po und Oberschenkeln an, ist das eher ungefährlich im Vergleich dazu, wenn es sich am Bauch anlagert.
Das sogenannte viszerale Fett, das sich am Bauch anlagert, kann mitunter gefährlich sein. Da es zum einen stoffwechselaktiv ist und damit um die 200 Botenstoffe und Entzündungsmoleküle. Viel wichtiger jedoch: Viszerales Fett legt sich um die Organe und erhöht somit das Risiko für die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle.
So kann es sein, dass nicht nur stark übergewichtigen Personen zu einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung geraten wird.

 

Welche Alternativen zum BMI gibt es?

Eindeutige Ergebnisse liefern Instrumente zur Messung der Körperzusammensetzung. Diese geben einen genaueren Aufschluss über Anteil an Fett- zu Muskelmasse.
Solche Alternativen wären beispielsweise die Hautfaltenmessung mit der Caliper-Zange oder auch die Bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA).
Nicht nur der Fettanteil ist hierbei interessant, sondern auch wie dieses am Körper verteilt ist. Denn es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen (hier weiter ausführen)

Eine relativ leichte Möglichkeit ist das Messen mit dem Maßband. Ideal wäre bei Männern ein Bauchumfang von unter 94 cm und bei Frauen von unter 80 cm. Zusätzlich wird häufig auch das Taille-Hüfte-Verhältnis (Waist-To-Hip Ratio, WHR) herangezogen. Idealerweise sollten die Werte für Frauen bei unter 0,85 sowie für Männer unter 1 liegen.

Interessant für Sportbegeisterte – der FFMI

Der Fettfreie Masse Index (FFMI) ist ein Maß zur Feststellung wie stark die Muskelmasse im Körper ausgeprägt ist. (Nicht nur interessant für jene, die Kraftsportbetreiben und sich mit Muskelaufbauauseinandersetzen.)

Die Fettfreie Masse ist dabei jene Masse im Körper, die nicht aus Fett besteht. Sprich Muskeln und Organe, Knochen, Wasser, Sehnen, Bändern, Blut, Nerven, etc.
Diese macht im Durchschnitt etwa 65 bis 85 % der gesamten Körpermasse aus.

Erhöht sich in der Regel durch gesteigerte Nahrungsaufnahme das Gewicht, dann somit auch der Körperfettanteil. Für eine gesteigerte Fettfreie Masse muss man daher arbeiten.
Interpretiert wird der FFMI-Wert wie folgt:

FFMI2

Zur Berechnung des FFMI bedarf es des Körperfettanteils (KFA), des Körpergewichts sowie der Körpergröße.
Die genaue Formel lautet:

FFMI

Im Internet gibt es hierzu eine Reihe entsprechender Rechner, mit welchen sich der Anteil an fettfreier Masse ausrechnen lässt.

Fazit

Alles in allem hat der Body-Mass-Index seine Grenzen. Er kann eine grobe Einschätzung geben, hat jedoch auch signifikante Schwachstellen. Denn er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Um einiges aussagekräftiger ist hierbei die Körperzusammensetzung als lediglich die Gegenüberstellung von Gewicht zu Körpergröße.

 

Was sind eigentlich deine Gedanken zum Thema?
Hältst du den BMI für überholt oder aussagekräftig?

 

Foto: Pexels.com

 

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