12 gängige Fitnessmythen und was wirklich dahinter steckt.


Kann man durch Training der Bauchmuskulatur gezielt Bauchfett verlieren? Und sollten Frauen nur mit leichten Gewichten trainieren, weil sie sonst zum Massemonster mutieren? Und wie sieht es mit der Fettverbrennung aus? Stimmt es, dass der Körper erst ab der dreißigsten Minute so wirklich Fett verbrennt?

Im Fitnessbereich, genauso wie in vielen anderen, gibt es immer mal wieder diverse Mythen. Von manchen denken wir, sie werden sicher stimmen. Doch manchmal kann es nicht schaden noch einmal einen genaueren Blick zu riskieren. Denn nicht alles was wir zu wissen glauben, stimmt auch.
Daher geht es heute um 12 gängige Fitnessmythen und was wirklich dahinter steckt.

#1 Muskelkater steht für ein gutes Workout.

Desto deutlicher sich der Schmerz am nächsten Tag bemerkbar macht, desto besser und damit effizienter war das Training.
Nicht immer. Macht sich Muskelkater bemerkbar, kann das auch darauf hindeuten, dass unser Körper auf neue Bewegungsabläufe noch nicht gewöhnt ist und sich erst darauf einstellen muss. Zum Beispiel wenn man das erste Mal überhaupt Kniebeugen macht, oder eine neue Übung in sein sonstiges Training integriert, welche neue Bewegungsabläufe fordert.
Leichter Muskelkater nach einem intensiven Training kann tatsächlich ein Indikator dafür sein, dass das Workout anspruchsvoll genug war. Hat man jedoch solchen Muskelkater, dass man am nächsten Tag kaum laufen kann, dann bedeutet das eher, dass das Training zu intensiv war. In diesem Fall kann es dann eher ratsam sein die Intensität etwas zu reduzieren.

#2 Größere Muskeln sind stärker

Jein. Größere Muskeln bedeuten nicht automatisch, dass diese auch stärker sind. So haben Bodybuilder beispielsweise manchmal größere Muskeln, Powerlifter hingegen sind aber stärker.
Der Unterschied liegt mitunter im Training. Kraft ist etwas, das genauso explizit trainiert werden kann. Indem in niedrigerem Wiederholungsbereich mit schwererem Gewicht trainiert wird. Wohingegen beim klassischen Bodybuilding eher in höheren Wiederholungsbereichen trainiert wird.
So lässt sich eher sagen, größere Muskeln haben das Potential zu mehr Stärke, bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Kraft.

#3 Man muss Fleisch essen um Muskeln aufzubauen.

Der menschliche Körper benötige ein vollständiges Aminosäurenprofil um Muskeln aufzubauen. Besonders geeignet dafür sei natürlich Fleisch, da dieses die beste Bologische Wertigkeit aufweist.
Ein Glaubenskonstrukt, das sich lange hielt und teilweise immer noch hält. Dabei lässt sich inzwischen sagen, dass man auch vegan sowie vegetarisch Muskulatur aufbauen kann. So lange die Ernährung abwechslungsreich genug ist, ist es nicht zwingend notwendig Produkte mit vollständigem Aminosäurenprofil zu sich zu nehmen. Der Körper verwertet sowohl Proteine aus tierischen, als auch aus proteinreichen pflanzlichen Nahrungsquellen.
Davon abgesehen gibt es inzwischen auch einige vegane Proteinpulver (sofern man seine Ernährung damit zusätzlich ergänzen möchte), welche dieselbe Biologische Wertigkeit aufweisen wie ihre Gegenspieler aus Whey Protein.

#4 Frauen, die auf Kraft trainieren, werden zu Muskelprotzen.

Leichtes Gewicht, mehr Wiederholungen. Das Geheimrezept, wenn es um Krafttraining für den weiblchen Körper geht.
Besonders hartnäckig hält sich noch immer der Glaube, dass wir Frauen nicht zu schwer trainieren sollten.
Doch das stimmt so nicht ganz. Denn, Muskeln wachsen nicht über Nacht. Es bedarf sehr viel Disziplin und regelmäßigen Trainings, um überhaupt eine gewisse Masse aufzubauen.
Davon abgesehen können wir Frauen gar nicht so viel Muskeln aufbauen wie beispielsweise Männer. Allein deshalb, weil der weibliche Körper gerade einmal zehn Prozent des männlichen Testosterons produziert.
Ein weiterer entscheidender Punkt: Je nachdem welches persönliche Ziel man verfolgt, kann auch das Training angepasst werden. So kann man in manchen Bereichen schwerer und in anderen auch leichter trainieren und damit jederzeit selbst bestimmen wie weit man gehen möchte.

#5 Verändere nie deinen Trainingsplan.

Das was einmal funktioniert hat, funktioniert immer. Na ja, nicht ganz. Wenn es um Muskelaufbau geht, dann gewöhnt sich der Körper nach einer gewissen Weile an die Übungsreihenfolge. Und so gerät das, was anfangs gut funktioniert hat, mit der Zeit ins Stocken.
Deshalb kann es nicht schaden von Zeit zu Zeit mal seinen Trainingsplan etwas zu variieren. Das muss nicht bedeuten gleich den ganzen Plan umzuwerfen. Manchmal reicht es auch einfach die Übungsreihenfolge zu ändern, oder auch eine neue Übung hinzuzufügen, oder eine Übung in einer anderen Variation auszuführen, um neue Reize zu setzen und damit den Muskel neu zu fordern.
Nicht zu vergessen – Progressive Overload. Bedeutet eine schrittweise und fortlaufende Steigerung der Leistung. So kann auch eine Erhöhung des Gewichts oder eine Steigerung der Wiederholungen für neue Reize sorgen und sollte sowieso fester Bestandteil eines jeden Trainings sein. Denn, wer immer dasselbe macht, befindet sich irgendwann auf einem Plateau.

#6 Man sollte bulken und cutten um Muskeln aufzubauen.

Will man Muskeln aufbauen, dann bedarf es auf jeden Fall einer Masse-, und einer anschließenden Definitionsphase.
Stimmt nicht ganz. Ja, mit einem gewissen Kalorienüberschuss ist es leichter Muskeln aufzubauen. Und auch teils schneller. Andererseits steigt mit erhöhter Kalorienzufuhr auch der Körperfettanteil. Mit anderen Worten: Zusätzlich zu Muskeln, isst man sich in einer solchen Massephase zusätzliche Fettdepots an. Die man dann wiederum durch eine Diät in der Definitionsphase versucht loszuwerden. Nur, dass man bei einer Diät nicht nur Fett, sondern auch wieder Muskelmasse verliert. Dazu kommt, dass man sich so in einem ständigen Jojo-Diäten-Zyklus befindet. Beispielsweise die eine Hälfte des Jahres bulkt, und die andere Hälfte diätet um das unnötige Fett wieder zu verlieren.
Bulken und cutten eignet sich nicht automatisch für jeden. Jemand, der bereits übergewichtig ist beispielsweise, muss nicht noch zusätzlich eine Massephase einlegen, und damit über sein Sättigungsgefühl hinaus essen. Dieser kann auch während einer Diät durch gezieltes Krafttraining gleichzeitig Muskulatur aufbauen. Dasselbe gilt für die sogenannte Kategorie Skinny Fat. Menschen, die zwar schlank sind, aber dennoch einen hohen Körperfettanteil aufweisen.
Bodyrecomposition nennt sich das Prinzip, bei welchen bei einem ausreichendem Körperfettanteil, nicht unbedingt eine Massephase von Nöten ist. Bedeutet: Die Körperzusammensetzung verändert sich.
Hierbei helfen die vorhandenen Fettdepots des Körper beim Aufbau entsprechender Muskelmasse. Als Frau zum Beispiel ist der Körperfettanteil normalerweise sowieso höher als der bei Männern. Und auch bei Männern kann ein Körperfettanteil zwischen 10-20% schon ausreichen um Muskulatur aufzubauen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Bulken gänzlich falsch wäre. Im Gegenteil, ein leichter Kalorienüberschuss kann durchaus hilfreich sein. Doch nicht minder wichtig ist es ausreichend Protein über die Ernährung zu sich zu nehmen. Idealerweise in gleichmäßigen Portionen über den Tag verteilt.

#7 Nur Cardio Training hilft beim Abnehmen.

Nicht unbedingt. Entscheidend ist vor allem eine negative Kalorienbilanz.
Cardio Training verbrennt dabei zwar so einige Kalorien, doch ohne Kaloriendefizit in der Ernährung, oder werden die verbrauchten Kalorien wieder aufgenommen, wird sich auf der Waage nicht allzu viel tun.

#8 Gezieltes Bauchtraining lässt Bauchfett schmelzen

Mit welcher Übung lässt sich am besten an Körperstelle X Fett verbrennen?
Eine der wohl am häufigsten gestellten Fragen. Es wäre wohl schön, könnte man einfach eine bestimmte Körperstelle trainieren und ungeliebtes Fett würde einfach so dahinschmilzen. Doch die Wahrheit ist, so etwas wie gezielte Fettverbrennung gibt es nicht. Wo unser Körper Fett speichert und auch als erstes verbrennt ist primär genetisch bedingt. Möchte man also an einer bestimmten Körperstelle abnehmen, bleibt einem nichts anderes übrig als im Gesamten seinen Körperfettanteil zu reduzieren, in der Hoffnung, dass das Fett an den unliebsamen Stellen sich mit der Zeit ebenfalls reduziert.

#9 Man kann nur im Fitness Studio Muskeln aufbauen.

Den Muskel interessiert es nicht wirklich an welchem Ort er trainiert wird. Insofern kann man auch Zuhause durchaus Muskulatur aufbauen. Je nach angestrebtem Ziel und Trainingsstand mit dem eigenen Körpergewicht, genauso wie mit entsprechendem Widerstand.

#10 Erst nach 30 Minuten verbrennt der Körper Fett.

Lange Zeit hielt sich der Glaube, dass der Körper erst dann beginnt Fett zu verbrennen, wenn er bereits 30 Minuten in Bewegung ist. So haben sich sicher dann einige auf dem Laufband gequält, um den Körper erst einmal so richtig in Schwung zu bringen, bevor dieser seine eigentlich Arbeit zu verrichten begann. Glaubte man zumindest.
Denn eigentlich verbrennt unser Körper bereits ab der ersten Minute Kalorien.
Sprich, machen wir 30 Minuten Cardiotraining, verbrennen wir auch die vollen 30 Minuten Kalorien. Hierbei gibt es natürlich Sportarten oder Einheiten, bei denen man mehr verbrennt als bei so manchen anderen.

#11 Viel Training = bessere Ergebnisse.

Nicht unbedingt, denn unser Körper benötigt auch Regeneration. Ihn ständig zu fordern kann im Ernstfall auch zu sogenanntem Übertraining führen. Besonders bei Krafttraining ist Regeneration sehr wichtig. Da Muskeln in dieser Zeit wachsen.
Regeneration muss nicht unbedingt Faulenzen bedeuten. Es kann auch bedeuten zwischen Kraft und Ausdauer zu variieren. Oder aber auch durch Spaziergänge, Massagen, Saunieren oder Yoga seinem Körper aktive Erholung zu gönnen.

#12 Desto besser man trainiert ist, desto weniger schwitzt man.

Nicht unbedingt, denn eigentlich ist es genau umgekehrt. Desto besser trainiert jemand ist, desto früher setzt das Schwitzen ein. Das liegt daran, dass Trainierte aktivere Schweißdrüsen haben, die bei Anstrengung Schweiß produzieren, um den Körper zu kühlen, um die entstehende Wärme abzutransportieren.

Was sind eigentlich deine Erfahrungen?
Welche Fitnessmythen hast du lange für wahr gehalten?

Fotos: Pexels.com

2 Kommentare zu „12 gängige Fitnessmythen und was wirklich dahinter steckt.

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