Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit. Und wie diese noch heute unseren Blick für Körperästhetik prägen.


Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. So heißt es zumindest.
Was dem einen gefällt, mag einem anderen ein Dorn im Auge sein, und umgekehrt.
Doch als Frau ist man nicht selten kritisch mit sich selbst. Denkt sich man entspräche nicht dem wie man sein sollte, oder glaubt sein zu müssen. Ein Aspekt, der uns meist schon seit unserer Jugend prägt und oftmals selbst bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter begleitet.

Ich denke so geht es so gut wie jeder Frau. Dass wir gewisse Unsicherheiten haben oder manche Aspekte unseres Körpers nicht gerade selten kritisch beäugen.

Doch woher kommt diese Kritik an der eigenen Äußerlichkeit eigentlich?

Ich erinnere mich noch wie andere Kinder mich damals als „Halbchinese“ bezeichneten, aufgrund meiner mir angeborenen Augenlidschwäche, welche eben bewirkt, dass eines meiner Augen kleiner ist als das andere.
Etwas, das mir die Natur nun einmal mitgegeben hat und das lange Zeit für mich ein Problem darstellte.

Nun wissen es Kinder, und manchmal auch Jugendliche, nicht besser und sprechen eben aus, was ihnen so durch den Kopf geht. Doch irgendwie vermittelte mir genau das, dass mein Aussehen, oder ein gewisser Aspekt davon, eben außerhalb der gängigen Norm ist.

Doch was ist diese Norm überhaupt? Und wer bestimmt wie wir auszusehen haben?

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Antike, Mittelalter und Barock

Im alten Ägypten beispielsweise, etwa 3.000 v. Chr. galten enthaarte und dünne Frauenkörper als schön.
Im Mittelalter wiederum war eine eher keusche Schönheit gefragt. Blasse Haut und kleine Brüste.
Um 1700 n. Chr. hingegen, im sogenannten Zeitalter des Barock, wurden vor allem solche Frauenkörper bevorzugt, die man heute als übergewichtig oder gar adipös bezeichnen würde.

Bereits damals stellten Frauen allerlei Dinge an, um den damaligen Idealen zu entsprechen. So schmierten sich junge Frauen im Mittelalter beispielsweise Taubenblut auf die Brust, um deren Wachstum zu stoppen.
Auch eine hohe Stirn, genauso wie eine möglichst helle Haut galten als Ideal der damaligen Zeit. Gebräunte Haut war eher verpönt, da diese mit „niederer“ Feldarbeit assoziiert wurde.
Um eine möglichst hohe Stirn vorweisen zu können, zupften sich Frauen u.a. die Haare ihres Ansatzes büschelweise aus.
Mit im Zeitalter des Barock war der Trend der Wespentaille geboren. Somit zwängten sich Frauen in eng geschnürte Korsettes, um ihre Taille schmaler wirken zu lassen.

Doch nicht nur in der Antike oder im Mittelalter versuchten Frauen den Idealen der damaligen Zeit zu entsprechen, auch im letzten Jahrhundert hat sich das Bild der „idealen Frau“ immer wieder gewandelt.

1950

Während die Kriegsjahre von viel Entbehrung geprägt waren, galt in den 1950er Jahren eher mehr ist mehr als ideal. Es sollte kurvig sein, wie Marilyn Monroe.
Die wohl bekannte typische Sanduhrenfigur. Große Brüste, schmale Taille und breitere Hüften.
So war Konfektionsgröße 42/44 das damals angestrebte Ziel – ohne Sport, sondern vielmehr mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, mit deren Hilfe schlanke Frauen versuchten zuzunehmen.

1960

In den 60er Jahren wiederum hatte die Kurvenfrau ausgedient. Schlank, fast schon dünn löste das damalige Ideal ab.
Das Model Lesley „Twiggy“ Lawson galt damals als das Ideal schlechthin. Große Augen, superdünn und jungenhaft. So wog Twiggy damals beispielsweise auf 1,72m gerade einmal 43kg.
Wie dieses Ideal zu erreichen war, kann man sich wohl denken – mit strengen Diäten. So wurde 1963 beispielsweise Weight Watchers gegründet, das bis heute sein Programm erfolgreich verkauft.

1970

Das Ideal der 70er Jahre wiederum stand erneut in Gegensatz zu dem der 60er Jahre mit seinen puppengesichtigen und fast schon dürren Körpern. Der Fokus lag vielmehr auf einem gesunden, fitten und starken Körperbild.
Prägend in dieser Zeit das Körperbild der Schauspielerin Farrah Fawcett, bekannt aus „Drei Engel für Charlie“, die bei 1,69m Körpergröße Kleidergröße 38 trug.
Sogenannte Powerfrauen, verkörpert in Serien wie „Wonderwoman“ oder „Bionic Woman“, prägten das Frauenbild der damaligen Zeit.

1980

Groß, athetisch und lange Beine, wie die von Claudia Schiffer, Linda Evengelista oder Cindy Crawford galten als das Ideal der 80er. Gesunde Kurven standen im primären Fokus. Besonders beliebt zu dieser Zeit: Aerobic vor dem heimischen Fernseher, um die erstrebten Körperformen zu erreichen.

1990

Und wieder einmal wandelte sich das Bild von gesund und schlank hin zu blasser Haut, wenig Busen und kurvenlos. Denn Kurven waren out. Wie bereits in den 60er Jahren war eher ein dünner, fast schon androgyner Frauenkörper wie der des britischen Models Kate Moss (damals: 1,70m, 48kg) angesagt.
Der sogenannte „Heroin-Chic“ und „Size Zero“ prägten das Bild der 90er Jahre.

2000

Es wurde wieder kurviger. Lange Beine, ein trainierter Körper und ein sexy Dekolleté waren wieder voll im Trend.
Insbesondere prägten Models wie Giselle Bündchen und Alessandra Ambrosio die Szenerie, genauso wie Schauspielerinnen wie Pamela Anderson.
Besonders die Oberweite erhielt mehr Aufmerksamkeit. Manche Frauen halfen mitunter mit Push up BHs nach, andere ließen sich die Brüste operativ vergrößern, um das erstrebte Ziel einer prallen Oberweite zu erreichen.

2010 bis heute

Während in den 2000ern vor allem eine große Oberweite beliebt war, ist es heute ein praller Hintern wie der von Kim Kardashian. Kurvig soll es sein. Eine schmale Taille mit einem typisch brasilianischen Hintern, bestenfalls wie der von Jennifer Lopez.
Mitunter wird auch hier wieder chirurgisch nachgeholfen. Sei es mit einem sogenannten Brazilian Butt Lift, bei welchem Eigenfett beispielsweise vom Bauch in den Hintern gespritzt wird, um diesen zu vergrößern. Oder teilweise auch mit Po-Implantaten.

Ein weiterer Trend: Langsam dient das Ideal möglichst dünn zu sein aus und wird durch Plus-Size abgelöst.

Was ist eigentlich mit den Männern?

Auch Männer sind dem gesellschaftlichen Druck nicht vollkommen ausgenommen. Zwar war Ende des 19. Jahrhunderts ein eher molliger Männertyp a la mode, da mehr Leibesfülle für Wohlstand stand, dennoch hat sich das Schönheitsideal was den männlichen Körper angeht nicht so schnell und facettenreich gewandelt wie bei seinem weiblichen Gegenpart.
Eine große Statur mit breiten Schultern galt in unserer westlichen Welt schon seit jeher als erstrebenswert.

Welchen Einfluss haben Schönheitsideale auf unsere Psyche und unser Wohlbefinden?

Schönheitsideale, vor allem die des weiblichen Körpers, reduzieren diesen zu allererst einzig auf dessen Aussehen und schreiben diesem bei Erfüllung oder Nichterfüllung jener Ideale mehr oder weniger Bedeutung zu. Dadurch werden Frauen wiederum unter Druck gesetzt.
Besonders Frauenzeitschriften stehen hier mitunter in der Kritik. Promoten sie doch mit diversen Diäten, wie man schnell viel Gewicht in kurzer Zeit verlieren könne, und dass es eine schlanke Silhouette vor allem im Sommer mit dem sogenannten „Bikini Body“ anzuvisieren gilt, mitunter dysfunktionale Mechanismen.
Ein verstärkt körperbetonter Blick kann u.a. zu Unsicherheiten und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führen.
Manchmal kann eine stark körperbezogene Sichtweise auch die Entstehung dysfunktionaler Verhaltensweisen wie Essstörungen fördern.
Denn, um als attraktiv zu gelten, sollte Frau möglichst schlank sein. So zumindest die Annahme.

Dabei trägt die durchschnittliche Frau von heute Konfektionsgröße 42/44.
Und wiegt im Durchschnitt 68kg bei einer Größe von 1,64m.

Gerade deshalb entwickelt sich im Moment der Trend eher in Richtung Plus-Size, zusammen mit Bodypositivity und u.a. auch Fat Acceptance.

Von Plus-Size, Bodypositivity und Health at every size

Dass irgendwann einmal ein Model wie Tess Holliday mit 140kg Körpergewicht das Cover einer Modezeitschrift namens Cosmopolitan abbilden würde, hätte zumindest in den 1990er Jahren wohl niemand je zu träumen gewagt.
Zusammen mit dem Titel „300 Pfund, stark und fit“ wird hier heutzutage ein vollkommen anderes Bild gezeichnet.

Revolutionär und positiv auf der einen, kritisch auf der anderen Seite.

Positiv daher, da mehr unterschiedliche Körperformen gezeigt werden. Kritisch, wenn bei Adipositas der gesundheitliche Aspekt ausgegrenzt wird. Denn nicht nur Untergewicht wie das kritisch beäugter Magermodels ist gesundheitlich bedenklich, das adipöse Gegenpendant ab einem gewissen Maß ebenfalls.
Deshalb sollte hier abstrahiert werden. Zwischen Körperakzeptanz und Vielfalt auf der einen, und Gesundheit auf der anderen Seite.

Denn besonders kritisch wird es, wenn heutzutage mit HAES, oder auch Health at every size geworben wird.

„Ein Ansatz für die öffentliche Gesundheit, der darauf abzielt, die Gewichtsabnahme als Gesundheitsziel zu vernachlässigen und die Stigmatisierung von Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit zu reduzieren.“

Eigentlich von seinem Sinn her, per Definition, keineswegs negativ. Denn Gesundheit sollte nicht allein auf das Gewicht oder eine angestrebte Gewichtsreduktion reduziert werden. Hierbei spielen auch viele weitere Faktoren eine Rolle, wie Lebensgewohnheiten, Stress, aber auch psychische Faktoren.

Dennoch kritisch, wenn promotet wird, man könne selbst bei Adipositas 3 dauerhaft gesund sein. Oder dass es keine Korrelation zwischen Übergewicht bzw. Adipositas und der Entstehung diverser Zivilisationskrankheiten gäbe.
Bedenklich, da nach dieser Theorie eben auch anorektische Frauenkörper als gesund gelten müssten. (Und magersüchtig dauerhaft gesund sein? Eher nicht, zumindest nicht nach meinen Erfahrungen.)

Starke Verfechterin dieser Ansicht – Health at every size – eben genanntes Plus-Size Model Tess Holliday, welche mit ihren 140kg auf 1,67m das Cover der Cosmopolitan und anderer Modezeitschriften zierte.

Eigentlich sollte es ja um Body Positivity gehen.
Genauer:

„Eine Bewegung, die sich für die Abschaffung unrealistischer und diskriminierender Schönheitsideale einsetzt.“

Hierbei sollte es vor allem auch darum gehen, dass auch Menschen mit Brandnarben, mit amputierten Gliedmaßen, diversen Krankheiten uvm. schön sind.
Body Positivity eigentlich als etwas durchaus Positives angedacht, sollte für mehr Körperakzeptanz und Diversität im Bereich der Schönheitsideale sorgen. Doch auch hier gibt es, wie bereits genannt, ein paar Kritikpunkte, die junge Frauen ebenfalls negativ prägen können. (Je nachdem wie diese Bewegung ausgelegt und gelebt wird.)

Wie können wir uns von Schönheitsidealen lösen?

Ich denke, ein wichtiger Aspekt ist u.a. das Bewusstsein, dass Schönheitsideale stets einem Wandel unterliegen.
Zwar pägen sie eine zeitlang das gesellschaftliche Bild von Schönheit, sind aber nicht von Dauer. Somit kann das, was heute als erstrebenswert gilt, morgen schon ganz anders aussehen.
Allein dieses Bewusstsein kann mitunter den Minderwertigkeitsgefühlen, dem Schinden des Körpers sowie geistigen und körperlich ungesunden Mechanismen entgegen wirken.

Viel wichtiger als irgendwelchen Idealen zu entsprechen ist es zu lernen sich und seinen Körper so zu akzeptieren, und vielleicht irgendwann auch zu lieben, wie er ist. Und, damit einhergehend, für sich und seinen Körper das Beste zu wollen. Gesund zu sein und sich wohl zu fühlen.

Das ist mitunter ein Aspekt, an dem ich selbst noch arbeite.
Und ja, das ist manchmal leichter gesagt, als getan. Doch weitaus erstrebenswerter als medial geprägten, meist gephotoshopten Abbildungen hinterher zu eifern.

Oder was sind deine Ansichten zum Thema?

Fotos: Pexels.com




2 Kommentare zu „Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit. Und wie diese noch heute unseren Blick für Körperästhetik prägen.

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