Mythos Glasflasche – Ist Glas wirklich immer nachhaltiger als Plastik?


Wenn es um Nachhaltigkeit geht, dann gibt es manchmal auch Themen, die auf den ersten Blick schnell zu beantworten scheinen. Es dann aber doch irgendwie nicht sind.

Denn, welche Flaschen sind eigentlich nachhaltiger? Solche aus Glas oder jene aus Plastik?
Im Supermarkt haben wir die Wahl zwischen allerlei Getränkevariationen. Von Wasser, über Apfelschorle bis hin zu Limonaden. In Discountern werden diese meist in Plastikflaschen mit 25 Cent Pfand angeboten.
Doch was sich auf den ersten Blick umweltfreundlich anhört, ist es nicht. Viele der Pfandflaschen werden nicht mehr neu befüllt.

Worauf es beim Kauf von Getränkeflaschen ankommt und welche nachhaltiger sind, erfährst du hier.

Mehrweg ist nicht immer Mehrweg

So gut wie jeder kennt das typische Return-Symbol auf so mancher Flasche, vorzugsweise Plastikflaschen. Das aufgedruckte Symbol mit dem Pfeil, das auf den ersten Blick den Eindruck vom Umweltfreundlichkeit vermittelt. Nach dem Motto: Wenn wir diese Flaschen am Leergutautomaten einlösen, um das entsprechende Pfand zu erhalten, gehen sie zurück zum Hersteller und werden wieder verwendet werden.
Ein logischer Gedankengang, möchte man meinen. Schließlich sammeln wir als Verbraucher diese ganzen Flaschen, um sie dann wieder zum Supermarkt zurück zu bringen und dafür das entsprechende Pfand auszulösen. Diese Flaschen müssen also wieder verwendet werden, oder?

Nein, nicht wirklich.
Nur weil man eine Flasche oder Dose in den Supermarkt zurück bringt, um sie im Automaten zerkleinern zu lassen und dafür das entsprechende Pfand erhält, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich hierbei um eine Mehrwegflasche handelt. Und man damit der Umwelt etwas Gutes tut.
Im Gegenteil. So lange nicht „Mehrwegflasche“ drauf steht, ist es auch keine. Sondern vielmehr eine simple Einwegflasche mit Pfand.

Grund für die Verwirrung beim Verbraucher ist dabei nicht selten die Kennzeichnung. Denn diese ist nicht immer eindeutig.

Doch zuerst…

Ist Mehrweg immer umweltfreundlicher als Einweg?

Allgemein ist es ratsam sich an Mehrwegflaschen aus der Region zu orientieren. Denn grundsätzlich sind Mehrwegsysteme umweltfreundlicher als Einwegsysteme, da die Flaschen mehrfach gespült und wiederverwendet werden. Dabei spielen natürlich auch die Transportwege eine entscheidende Rolle. Je näher aus der Region, desto umweltfreundlicher.

Welche Flaschen sind am umweltfreunlichsten?

Das mag viele überraschen, doch die beste ökologische Bilanz haben tatsächlich Mehrwegsysteme aus Plastik (PET).
Der Grund: Plastikflaschen sind leichter als ihre Konkurrenz aus Glas. Nachteil ist jedoch, dass sie nur bis zu 25 Mal wiederbefüllt werden. Und auch, dass sie schwer zu recyceln sind. Dennoch kamen einige Studien zu dem verblüffenden Ergebnis, dass Mehrweg PET-Flaschen umweltfreundlicher sind, als solche aus Glas. Begründet wird das vor allem durch die Transportwege. Denn Plastikflaschen sind leichter als solche aus Glas.
Dennoch, auch Glas-Mehrwegsysteme sind besser als Einwegflaschen aus Plastik, da sie bei einer durchschnittlichen Lebensdauer bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden können. Einwegflaschen aus Glas sollte man, genauso wie Dosen, am besten meiden.
Insofern: Besser für die Umwelt sind Mehrwegsysteme, die in der eigenen Region abgefüllt werden.

Sind alle Einwegsysteme umweltschädlich?

Nicht wirklich. Auch unter den Einwegsystemen gibt es gewisse Unterschiede.
Was Glas-Mehrwegsysteme und Getränkekarton-Einwegsysteme angeht, so sind kaum ökologische Vor- oder Nachteile erkennbar. Einer der Hauptgründe für die positive Bilanz von Getränkekartons sind die hohen Recyclingquoten von etwa 65 Prozent und das geringe Gewicht der Kartons beim Transport.

Was passiert bei der Rückgabe mit den Einweg-PET-Flaschen?

Meist knistert es, wenn die PET-Flaschen im Automaten zerkleinert werden. Zwar werden die Plastikflaschen gesammelt und gewaschen, dennoch, ein vollständiges Recycling der PET-Flaschen existiert in Deutschland nicht. Es wäre schlichtweg zu teuer und auch aufwendig. Stattdessen werden sie geschreddert und eingechmolzen. Dadurch sind sie jedoch kaum wiederverwertbar.
Aufgrunddessen, dass sich der eingeschmolzene Kunststoff verfärbt, kann er spter nicht mehr als Material für klare Wasserflaschen verwendet werden. Daher werden Einwegflaschen hauptsächlich für nur eine einzige Abfüllung produziert. Deshalb ist für jeden Liter Mineralwasser neues Plastik notwendig.

juice

Einweg dominiert den Markt

Zwar sollte man annehmen, wenn Mehrwegsysteme eine bessere ökologische Bilanz haben, dass diese den größten Marktanteil einnehmen. Doch weit gefehlt. Einweg dominiert den Markt. Fast drei Viertel aller Erfrischungsgetränke (Schorle, Limonade, gesüßtes Wasser usw.) werden in Einweg-Plastikfaschen abgefüllt. Der prozentuale Anteil ökologisch vorteilhafter Verpackungen liegt derzeit bei gerade einmal 48,3 Prozent.

Woran lassen sich Mehrwegsysteme erkennen?

Wie zu Beginn angesprochen, bedeutet Pfand und der Gang zum Rückgabeautomaten im Supermarkt nicht automatisch auch gleich, dass es sich dabei um ein umweltfreundliches Produkt handelt.
Auf Mehrwegflaschen steht oftmals das Wort „Mehrweg“. Entweder eingestanzt oder abgedruckt. Auch das Pfand für Mehrwegflaschen ist geringer als das für Einwegsysteme. So werden statt der üblichen 25 Cent oftmals 8 oder 15 Cent Pfand fällig.
Sehr hilfreich sind auch die Umweltzeichen „Mehrweg – Für die Umwelt“ und „Der Blaue Engel“. Dennoch beinhalten nicht alle Mehrwegsysteme diese Umweltzeichen.

Fazit

Auf der Suche nach einer möglichst umwelfreundlichen Lösung beim Getränkekauf kommt es auf verschiedene Faktoren an. Neben dem Material der Flaschen, ist auch der Transportweg entscheidend. Mehrwegsysteme aus Plastik haben aufgrund ihres geringeren Gewichts zwar in Sachen Transport eine bessere Ökobilanz, das Plastik ist jedoch nicht besonders gut für die Umwelt. Hingegen bei Glasflaschen sorgt das Gewicht bei längeren Transportwegen für eine schlechtere Ökobilanz.
Daher: Regionale Getränke in Glasflaschen haben nach wie vor die beste Klimabilanz.

Alles in allem hat jedoch beides, sowohl Glas als auch Plastik, gewisse Vor- und Nachteile. Und es obliegt einem jedem selbst für welche Variante man sich entscheidet.

 

Fotos: Pexels.com

5 Kommentare zu „Mythos Glasflasche – Ist Glas wirklich immer nachhaltiger als Plastik?

  1. Hi Cordula,

    wir Menschen sollten einsehen, dass Getränke in Flaschen ziemlich dekadent sind. 😉

    Zum Leben brauchen wir Wasser. Dieses können wir einigermaßen sauber aus der Leitung entnehmen (ein Wasserfilter schafft zusätzliche Sicherheit).

    Eine andere Option ist frisches, klares Wasser aus einer regionalen Quelle oder einem Brunnen, das man sich selbst in Behälter abfüllt. Wir verwenden hierfür Glasflaschen, die wir schon mehr als 50 mal wiederbefüllt haben. 🙂

    Liebe Grüße
    Patrick

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo,
      ob Plastik zu Impotenz führt, darüber bin ich nun nicht informiert. Um dazu eine Aussage treffen zu können, muss ich erst einmal genauer recherchieren. Doch es stimmt, besonders gesund ist Plastik nicht wirklich.
      LG

      Liken

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