Warum wir Vorsätze manchmal nicht in die Tat umsetzen. Und was die Intentions-Verhaltens-Lücke damit zu tun hat.


Nun liegt bald ein ziemlich ereignisreiches Jahr hinter uns. Eines, das durch eine weltweite Pandemie geprägt wurde. Durch zwei Lockdowns, durch Verschwörungstheorien, Aufstände und Demonstrationen. Durch ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der US amerikanischen Präsidentschaftswahl. Und noch vieles mehr.
Manche sagen, sie wünschen sich, dass das Jahr schnellstmöglich vorbei geht und endlich 2021 einen neuen Abschnitt in unser aller Leben einläutet.
Und genau hier setzen viele an und nehmen sich, pünktlich zum ersten Januar des neuen Jahres vor: sich gesünder zu ernähren, mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu machen, endlich ein paar Kilos abzunehmen, vielleicht auch endlich mal eine Weiterbildung zu machen, die man schon lange vor hatte in die Tat umzusetzen. Oder viele andere gute Vorsätze, wie man in unserem Sprachgebrauch sagt.

Vorsätze – Ziele – die vielleicht schon lange als Überlegung in uns schlummern. Vielleicht auch diverse Spontaneingebungen. Oder aber auch das lange Bestreben endlich etwas zu erreichen, das mit dem eigenen Selbstbild, wie man gerne sein würde, übereinstimmt.
Auf diese Weise nehmen wir uns dann vor Dinge in die Tat umzusetzen und aktiv zu werden.
Doch, so schön diese Vorsätze auch immer klingen mögen, so schnell versiegen sie meist auch wieder.

In der Psychologie versucht man Verhaltensänderungen mit diversen Modellen und Theorien zu erklären. Beispielsweise was uns dazu bringt uns gesünder zu ernähren oder vielleicht auch mehr Sport zu treiben.
Ein solches Modell wäre u.a. die Theorie des geplanten Verhaltens (Theory of planned behavior).
Diese besagt, dass die eigene Einstellung (was ich selbst von einer Sache halte), die subjektive Norm (die Ansichten und Einstellungen der Menschen um uns: unser soziales Umfeld) sowie die wahrgenommene Verhaltenskontrolle (welche Schwierigkeiten sich uns in den Weg stellen könnten) die Verhaltensabsichten und Verhaltensweisen eines Individuums prägen.
Mit anderen Worten: Wie ich selbst über eine Sache denke, das was mein soziales Umfeld davon hält und welche Schwierigkeiten ich in der Bewältigung einer Sache wahrnehme, entscheiden darüber wie sich ein Mensch verhalten wird.
Dabei wird auch davon ausgegangen, dass unser Verhalten Folge einer bewussten Entscheidung, also der Bildung einer Intention ist.

Leider ist das Ganze dann doch nicht so einfach. Denn genau hier kommt die Intentions-Verhaltens-Lücke ins Spiel.

Nun wird sich manch einer sicher fragen:

Was ist die Intentions-Verhaltens-Lücke eigentlich?

Die Intentions-Verhaltens-Lücke beschreibt, weshalb es trotz einer entsprechenden Absicht, auch Intention genannt, nicht immer zu einem daraus resultierendem Verhalten kommt. Sprich: Nur weil man sich etwas vornimmt zu tun, bedeutet das noch lange nicht, dass man es auch in die Tat umsetzt.
Erklärt wird das mitunter mit der Qualität der Intention, welche wiederum durch 3 Faktoren bestimmt wird:

1.) Die Schwierigkeit der Ziele. Also, ob ein Ziel beispielsweise leicht zu erreichen ist?
2.) Die Grundlage der Intention: Ob der Wunsch nach Veränderung dem entspricht, was man für richtig und gut hält? Und ob der Wunsch durch intrinische (innere) oder extrinsichshe (äußere) Faktoren bestimmt wird?
3.) Die zeitliche Stabilität der Intention: Wie lange man den jeweiligen Wunsch schon hat?

Dennoch, auch wenn Intentionen eine noch so gute Qualität besitzen, bedeutet das noch lange nicht, dass diese zum gewünschten Verhalten führen.

So wie bei vielem im Leben, haben wir oftmals die besten Absichten. Wir wollen uns gesünder ernähren, vielleicht auch mehr Sport machen, möchten zu denen gehören, die einen gesunden Lebensstil führen. Oder, vielleicht sind es andere Dinge, die uns antreiben. Der Wunsch umweltbewusster und nachhaltiger zu leben.
Vielleicht haben wir Menschen in unserem Umfeld, die uns dazu inspirieren. Vielleicht war es aber auch so manches Gespräch, das uns dazu bewegt gewisse Dinge zu überdenken und so manchen Entschluss zu fassen.

Manchmal versuchen wir gescheiterte Intentionen mit kognitiver Dissonanz zu erklären. Auch ein wertvoller psychologischer Ansatz, der zu erklären versucht, warum wir manchmal entgegen unserer eigentlichen Überzeugungen handeln. Warum manche beispielsweise Massentierhaltung für schlecht halten, dann aber doch nicht die Konsequenz ziehen und Veganer oder Vegetarier werden. Also, ihr Verhalten an ihre Überzeugungen angleichen.

Auch hierzu gibt es dann diverse Erklärungen wie wir dem Spannungsfeld verschiedener Kognitionen entgegen wirken können. Allen voran, einfach unser Verhalten anzupassen. Oder aber auch unsere Überzeugungen zu verändern. Indem man sich einredet als Einzelner doch an der großen Maschinerie sowieso nichts ändern zu können, zum Beispiel.

Ich denke viele Menschen würden ihre Vorsätze gerne in die Tat umsetzen, und auch langfristig ihre Ziele erfolgreich bewältigen. Doch weitere Faktoren, die hierbei mitunter auch gerne mal einen Strich durch die Rechnung machen sind, dass wir gar nicht erst beginnen. Oder, wenn wir es doch schaffen erste Schritte einzuleiten, nicht dranbleiben. Oder aber auch, irgendwann einfach abbrechen, und unser Vorhaben nicht zu Ende bringen.

Hört sich nun sicher alles andere als motivierend und positiv an. Nach dem Motto: Das was wir uns vornehmen, setzen wir doch sowieso nicht in die Tat um.

Wie also kann man die Intentions-Verhaltens-Lücke schließen?

Als gut haben sich sogenannte Wenn-dann-Pläne etabliert. Treffe ich auf eine Hürde, lege ich mir einen Plan zurecht, was ich in diesem oder jenen Fall als Bewältigungsstrategie oder andersweitiges Verhalten in die Tat umsetzen möchte.
Zum Beispiel: Nimmt man sich vor im neuen Jahr regelmäßig Sport machen zu wollen. Weil man sich vielleicht oft ausgelaugt fühlt. Also stellt man sich vor, was man erreichen möchte. Genauso wie was man tun möchte, um dieses Ziel zu erreichen. Beispielsweise mindestens drei Mal die Woche regelmäßig Sport zu machen.
Nun kann es sein, dass gewisse Hürden auftreten. Insofern stellt man sich die Frage wie man im Fall X vorgehen möchte. Im hier gewählten Beispiel wäre das, was passiert, wenn man Überstunden machen muss und daher nicht ins Gym kann? Oder ein anderes beliebiges Szenario.
So könnte man dann zu sich sagen: Okay, es ist nicht schlimm, wenn ich mal nicht dazu komme, dafür mache ich am Abend Zuhause ein kurzes Workout. Oder versuche am Wochenende das ausgefallene Training nachzuholen, da man dort vielleicht mehr Zeit hat.

Man formuliert für sich selbst bei einen Plan wie man mit auftretenden Schwierigkeiten oder Hürden umgehen möchte. Wie man seine Ziele aufrechterhalten möchte.
Wenn-dann-Pläne sollen helfen begonnenes Verhalten aufrecht zu erhalten und langfristig dran zu bleiben.

Ein weiterer hilfreicher Aspekt kann es sein, sich seiner Fortschritte bewusst zu werden. Diese entweder aufzuschreiben, oder vielleicht auch anderen mitzuteilen.
Auf diese Weise wird mitunter die Selbstwirksamkeit gesteigert. Indem man sich beispielsweise bewusst wird, dass man plötzlich mehr Heben kann, vielleicht im Alltag gewisse Dinge plötzlich leichter fallen, bemerkt man die positiven Aspekte seines Handelns und ist auch gewillt, zur Aufrechterhaltung und Förderung der eigenen Fortschritte, längerfristig dran zu bleiben.

Was sind eigentlich deine Erfahrungen? Und was hilft dir Vorsätze besser in die Tat umzusetzen?

Fotos: Pexels.com

2 Kommentare zu „Warum wir Vorsätze manchmal nicht in die Tat umsetzen. Und was die Intentions-Verhaltens-Lücke damit zu tun hat.

  1. Schöner Artikel. Was sicherlich auch noch eine Rolle spielt, dass es im November leichter ist zu sagen, dass ich Januar wieder mehr Sport mache, weil das im November keine Konsequenzen hat. Ich muss das erst im Januar spüren und im Januar gibt es eben eine Menge grüne den Vorsatz doch nicht unzusätzen. Das ich vom November fühlt sich gut, weil es sich rechtfertigen kann, dass es ja im Januar besser lebt ohne die Kosten dafür zu tragen.

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    1. Hey,
      das kann natürlich auch gut möglich sein.
      Dass man sich denkt in der Zukunft würden einem gewisse Dinge sicher leichter fallen.
      Doch ob dem dann wirklich so ist, wenn dieser Zeitpunkt, der ursprünglich noch in entsprechender Ferne war, plötzlich die Gegenwart bildet, ist wieder eine andere Frage.
      Wir können ja viel sagen, was wir möchten oder tun werden, schlussendlich kommt es auf unsere Taten an.
      LG

      Gefällt 1 Person

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