Tierversuchsfreie Kosmetik erkennen. Und wie viel davon benötigen wir eigentlich?


Wie viel Kosmetik benötigen wir eigentlich?
Eine Frage, die ich mir öfter einmal gestellt habe. Denn manche von uns besitzen teilweise ein ganzes Kosmetik-Arsenal. Schränke voll und übervoll mit verschiedenen Cremes, Foundations, Pudern, Lippenstiften, Mascaras und noch vielem mehr.
Manchmal frage ich mich hierbei ob so ein Sammelsurium wirklich notwendig ist? Denn mir persönlich erschließt sich nicht, wozu man zwanzig verschiedene Lippenstifte benötigt? Oder acht verschiedene Mascaras? Sicher, die eine wird eine andere Bürstenform haben als die andere. Oder vielleicht von einem anderen Hersteller sein. Vielleicht ergiebiger etc. pp.
Bestimmt gibt es hierfür entsprechende Argumente. Genauso wie die schlichte Freude am Schminken, am Experimentieren mit dem Potential der eigenen Gesichtsstrukturen.
Ich für meinen Teil mag es auch mich zu schminken. Doch dafür reicht mir eine Mascara vollkommen aus.

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Seit ich mich mit dem Thema Minimalismus beschäftige, hat sich das natürlich auch auf die Inhalte meines Kosmetik-Repartoires ausgebreitet. Und inzwischen ist es tatsächlich gar nicht mehr so viel, das ich benötige.
Müsste ich meinen kompletten Bestand aufzählen, dann wäre das:

  • Ein Abdeckstift
  • Eine Mascara
  • 2 Lidschatten-Paletten
  • Eine Konturen-Palette
  • Ein schwarzer Lidschatten
  • Ein Set Pinsel

Vollkommen ausreichend, wie ich finde. Denn für meine Morgenroutine reicht es. Und selbst wenn ich einmal etwas experimentieren möchte, so ist auch das möglich.

Doch alles in allem mag ich es unkompliziert.

Nun gehört zum Begriff Kosmetik natürlich noch mehr als lediglich etwaige Schminkutensilien. Denn wir verwenden ja auch noch Duschgels, Parfums, vielleicht ein Deo, eine Gesichtscreme usw.
Hierbei müsste ich meinen Kosmetikbestand noch etwas aufstocken. So gesellt sich dazu:

  • Eine Gesichtscreme
  • Eine Bodylotion
  • Eine Haarseife
  • Ein Duschgel
  • Ein Parfum
  • Ein Deo-Stick
  • Zum Abschminken meist Kokosöl

Gut, damit wird es schon etwas mehr. Aber dennoch reduziert es sich ziemlich auf die Basics, würde ich sagen. Und dennoch ist es nicht so als würde ich auf etwas verzichten :).

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Große Versprechen. Und das Streben nach dem neuesten und besten Produkt.

Allein wenn man sich so manchen Werbespot ansieht, erhält man meist große Versprechungen. Diese oder jene Creme würde unseren Alterungsprozess aufhalten und uns von Falten befreien. Oder aber, eine Bodylotion sorge auf jeden Fall dafür, dass unsere Orangenhaut mit einem Mal verpufft.
Dabei kann eine Bodylotion nicht dafür sorgen, dass das geschieht. Denn allein die Bildung und Ausprägung von Cellulite zum Beispiel hängt stark von der Beschaffenheit unseres Bindegewebes ab. Hat man ein schwaches Bindegewebe (das kann auch schlanke Menschen betreffen) neigt man eher zur bekannten Orangenhaut.
Was dagegen hilft?
Sport, vorzugsweise Krafttraining. Die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und unterstützend mit einer Bürste trocken massieren. Am besten jeden Tag.
Somit kann man sie nicht verschwinden lassen, jedoch reduzieren.

Und dennoch glauben wir oft an die Versprechungen aus der Werbung.

Dasselbe gilt für Influencer und die Kosmetikindustrie an sich.
Ich finde es, zugegeben beeindruckend, so manchem Youtuber dabei zuzusehen, wie sie sich in Sachen Make-up kreativ austoben. Schließlich ist das zu können auch eine Kunst für sich.
Was mir dabei nicht gefällt ist oftmals das Arsenal an Kosmetik, das darin involviert ist. Denn die Person, selbst wenn sie mit Make-up ihr Geld verdient, hat bestimmt schon so viele Kosmetikprodukte, dass sie diese alleine nie und nimmer aufbrauchen können wird. Und wir als Verbraucher können das auch nicht, wenn wir mehr Kosmetikprodukte besitzen als Platz in unseren Schubladen oder Fläche in unserem Gesicht. Und ob das sinnvoll ist?

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Es geht um mehr als nur um Masse

In Sachen Kosmetik geht es für mich auch mehr, als nur um Besitz. Zwar ist es in Sachen Nachhaltigkeit recht simpel: Desto weniger wir konsumieren, desto besser für die Umwelt. Denn mit einem jeden Konsum sind Produktionsverfahren, Transportwege, Verpackungsmaterialien usw. involviert.

Dennoch spielen auch weitere Faktoren eine Rolle. Schließlich ist es mir auch wichtig, dass die Produkte, die ich verwende für mich ethisch vertretbar sind. Denn, mal ehrlich, wer möchte schon, dass für sein Make-up, Shampoo oder Duschgel beispielsweise Tierversuche durchgeführt werden?

Es hat lange gedauert. Doch, was die Gesetzeslage angeht, beschloss die EU-Kommission im Jahr 2003 endlich die schrittweise Abschaffung sämtlicher Tierversuche für Kosmetik. 2004 wurden in der gesamten EU Tierversuche für Kosmetikprodukte verboten und 2009 auch für Inhaltsstoffe von Kosmetik. Seit März 2009 ist es auch verboten, in der EU Kosmetikprodukte zu verkaufen, die an Tieren getestet wurden.
Seit dem 11.03.2013 trat schlussendlich ein Gesetz in Kraft, das es Kosmetikunternehmen komplett verbietet, Tierversuche für ihre Produkte oder deren Inhaltsstoffe durchzuführen oder in Auftrag zu geben.

Dennoch gibt es Schlupflöcher.

Denn das Tierversuchsverbot gilt nur für Inhaltsstoffe in Kosmetik- und Pflegeprodukten, nicht aber für solche, die auch in anderen Produkten Verwendung finden und damit unter das Chemikaliengesetz fallen. Hierfür können nach wie vor Tierversuche durchgeführt werden.
Desweiteren sind in Ländern wie China beispielsweise Tierversuche für Kosmetikprodukte gesetzlich vorgeschrieben. Insofern können Händler, welche ihre Produkte auch außerhalb der EU vermarkten unter diese Gesetzesgrundlagen fallen und für ihre Produkte Tierversuche durchführen.

 

Woran ist tierversuchsfreie Kosmetik erkennbar?

Das ist ein wenig tricky. Denn ein veganes Kosmetikprodukt kann durchaus Inhaltsstoffe beinhalten, die einmal an Tieren getestet wurden. Und auch tierversuchsfreie Kosmetik kann durchaus Inhaltsstoffe tierischen Urprungs, z.B. Bienenwachs beinhalten.

Gängige Siegel:

Leaping Bunny

leaping-bunny-labelDieses Siegel ist das Einzige international gültige Siegel, das Kosmetik ohne Tierversuche auszeichnet.

Es wird von der Coalition for Consumer Information on Cosmetics (CCIC) vergeben, einem Netzwerk von acht Tierschutzorganisationen aus verschiedenen Ländern.
Die Unternehmen, die das Siegel verwenden, verpflichten sich, keine Tierversuche durchzuführen, in Auftrag zu geben oder sich daran zu beteiligen; das betrifft ausnahmslos alle Inhaltsstoffe und Endprodukte. Sie beziehen auch keine Inhaltsstoffe, Rezepturen oder Produkte von Unternehmen, welche dafür Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben haben.

Hase mit schützender Hand

kosmetik-tierversuchsfrei-hase_mit_schuetzender_hand_logoDie Richtlinien für das Siegel „Hase mit der schützenden Hand“ wurden vom Deutschen Tierschutzbund zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e.V. (IHTN) entwickelt. Die Standards gehen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Denn es dürfen keine Tierversuche an wirbellosen Tieren sowie Wirbeltieren durchgeführt werden. Auch Rohstoffe toter Tiere sind nicht zugelassen. Hersteller, welcher dieses Label tragen, dürfen auch keinen Konzernen angehören, die Tierversuche durchführen oder solche in Auftrag geben. Auch Exporte in Länder, in denen noch Tierversuche durchgeführt werden, z.B. China sowie Importe von Herstellern, deren Produkte in tierversuchsdurchführenden Ländern hergestellt werden sind verboten.

Veganblume

vegan-blume-logoDie Veganblume der Vegan Society ist das einzige Label, das sowohl für vegane und als auch für Kosmetik ohne Tierversuche steht. Das Produkt genauso wie die involvierten Produktionsprozesse und Inhaltsstoffe müssen vegan und tierversuchsfrei sein um das Siegel tragen zu dürfen. Das Unternehmen darf auch keine Tierversuche in Auftrag geben.

 

 

Was ist mit Naturkosmetik?

Naturkosmetikhersteller müssen sich natürlich an dieselben Gesetzesgrundlagen halten wie alle anderen Hersteller auch. Schlupflöcher inklusive.
Am Verlässlichsten ist es auf etablierte Zertifizierungen wie die Siegel von BDIH und Natrue auf Naturkosmetik-Produkten zu achten. Denn sie garantieren, dass die Produkte nach strengen Richtlinien aus (überwiegend) natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt werden.

Das BDIH-Siegel

BDIHFür die Entwicklung als auch  für die Produktion von Kosmetika mit dem BDIH-Siegel sind Tierversuche untersagt, genauso am Endprodukt. Rohstoffe, die nach dem 01.01.1998 auf dem Markt eingeführt wurden, dürfen nur verwendet werden, wenn sie nicht im Tierversuch getestet worden sind. Von Dritten durchgeführte Tierversuche bleiben von dieser Regelung jedoch unberührt. Lieferanten einzelner Inhaltsstoffen können somit Tierversuche durchgeführt haben. Somit ist es möglich, dass man als Verbraucher beim Kauf eines Produktes mit diesem Siegel, Unternehmen mitfinanzieren, die in anderen Bereichen Tierversuche durchführen.
Desweiteren sind hierbei  Stoffe, die von Tieren produziert werden, erlaubt (Milch, Honig, Wollwachs, Bienenwachs), jedoch nicht solche aus toten Wirbeltieren (z.B. Nerzöl, tierische Fette oder Collagen).

Das Natrue-Siegel

Naturkosmetik-Natrue_LogoDas Natrue-Siegel ist für Naturkosmetik weit verbreitet. So heißt in den Richtlinien, dass Tierversuche grundsätzlich gegen ihre Ethik verstößt. Daher erweitertete Natrue das seit 2009 in der EU gültige Tierversuchsverbot ausdrücklich auch auf Nicht-EU-Länder wie zum Beispiel China.

Desweiteren sind Rohstoffe von toten Wirbeltieren wie Nerzöl, Kreatin oder Collagen verboten. Rohstoffe von lebenden Tieren oder von toten wirbellosen Tieren (wie Karminrot aus Läusen) sind jedoch erlaubt.

Das Ecocert-Siegel

Für Naturkosmetik mit diesem Siegel gilt, dass mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind, mindestens 5 Prozent der Inhaltsstoffe aus biol. Anbau, mind. 50 Prozent der pflanzlichen Stoffe aus biologischem Anbau.
Inhaltsstoffe vom lebenden Tieren nicht gefährdeter Arten sind erlaubt (Rinder-, Schweine- oder Schaf), wenn es keine gleichwertigen pflanzlichen Alternativen gibt.
Ecocert verbietet Tierversuche an Endprodukten. Was die Durchführung etwaiger Tierversuche in China angeht, ist fraglich. Insofern kann es sein, dass man als Verbraucher somit Unternehmen unterstützt, welche in anderen Bereichen Tierversuche durchführen.

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Insofern, auch bei bestimmten Siegeln kann man nicht ganz sicher sein ob dafür nicht doch Tierversuche durchgeführt werden. Oder aber auch tierische Bestandteile in den jeweiligen Kosmetikprodukten enthalten sind.
Daher kann es auch hilfreich sein genauer zu einzelnen Marken zu recherchieren. Und auch hierfür gibt es inzwischen hilfreiche Informationen. Sehr informativ hierzu sind u.a. kosmetik-vegan.de sowie folgende Auflistung von PeTA.

Ein Kommentar zu „Tierversuchsfreie Kosmetik erkennen. Und wie viel davon benötigen wir eigentlich?

  1. Danke für die Links, das ist sehr informativ! Meine Pflege- und Kosmetikmenge ist so ziemlich gleich mit deiner, nur brauche ich Seife für den Körper und ein Bio-Shampoo für die Haare.

    Ich habe ein paar Lippenstifte, nur benutze ich die nie, weil ich den Geruch nicht mag. Der hängt einem ja den ganzen Tag unter der Nase … 😉 😀

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