Pflanzlich leben und das soziale Umfeld…


Nicht selten ist es so, dass man irgendwann einmal an den Punkt kam, dass man vielleicht eine Dokumentation oder einen Fernsehbericht gesehen hat, mit dem Leid der Tiere konfroniert wurde, und für sich entschieden hat – so wie bisher kann ich nicht mehr weiter machen.
Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier… Es erscheint als sei man plötzlich aufgewacht, nur das Umfeld, die Welt um einen herum, schläft noch. So kann genau dieser Zustand einen nicht selten vor eine emotionale Herausforderung stellen.

Manchmal ist man vielleicht sogar der einzige Veganer oder Vegetarier auf weiter Flur. Umgeben von Menschen, die eben so leben, wie man es früher auch einmal getan hat. Doch jetzt nicht mehr. Menschen, die Fleisch essen. Die einem sagen wie man sich bitte verhalten soll. So scheint es dann oft so, dass man zwar viel Zuspruch erntet, manche jedoch wiederum Angst vor einer Konfrontation mit der Realität haben (obwohl man diese Realität als Veggie nicht einfach mal wegzaubern kann.)

Und je nachdem wie verständnisvoll das soziale Umfeld ist, können hierbei auch Reibungen entstehen. Denn auf der einen Seite ist man gerade aufgewacht und sieht die Welt mit anderen Augen. Und auf der anderen Seite wiederum kann es auch sein, dass die Menschen, die einem doch so nahe stehen nicht immer unterstützend auf einen einwirken.
Manchmal höre ich hierbei Schilderungen wie, dass gerade das soziale Umfeld manchen mit Unverständnis begegnet. Im schlimmsten Fall die vegane oder vegetarische Ernährung zum städigen Streitthema macht.
Besonders solche Umstände machen es einem nicht selten schwer zu seinen Überzeugungen zu stehen und diese zu leben. Denn schließlich wollen wir ja alle, ganz egal für was wir uns entscheiden, von unseren Liebsten darin unterstützt werden. So soll die Entscheidung pflanzlich zu leben nicht die eigene Lebensqualität, oder auch die anderer mindern. Sondern vielmehr bereichern.

Denn neue Lebensgewohnheiten können auch Inspiration liefern. Sie können zu mehr gegenseitigem Verständnis führen, auch kulinarisch Kreativität fördern und Abwechslung in den Speiseplan reinbringen.
Doch damit dies gelingt muss von beiden Seiten eine offene Haltung gegeben sein.

Insofern betrifft es nicht nur Veganer oder Vegetarier und wie diese verhaltenstechnisch durch den Alltag navigieren sollten. Sondern das Umfeld gleichermaßen. Denn gängige Vorurteile begegnen einem als Veggie immer wieder. Schade ist es vor allem dann, wenn diese im engeren Bekannten- und Freundeskreis gegenwärtig sind.

Von daher ein paar Tipps für ein besseres Miteinander ;):

 

Zeit
1. Zeit und gegenseitiges Verständnis

Manchmal dauert es eine Weile bis sich das persönliche Umfeld an gewisse Umstellungen gewöhnt hat. Meist erscheint hierbei die Entscheidung vegan zu leben besonders unverständlich. Denn gerade der Umstand warum man keine Milchprodukte und Eier, vielleicht auch keinen Honig mehr essen möchte, wird nicht immer sofort verstanden. Denn diese Produkte erzeugen ja kein Leid. (Stimmt leider nicht.)
Oftmals fehlen hierbei einfach nötige Informationen.

Meist hat man selbst schon einen Entwicklungsprozess durchlaufen. Innerlich für sich das Pro und Contra abgewägt und weiß somit warum man sich für eine pflanzliche Lebensweise entschieden hat.
Doch entgegen dem eigenen inneren Entwicklungsprozess, hat das äußere Umfeld diesen meist noch nicht durchlaufen. Und das benötigt nicht selten Verständnis und Zeit.

Denn auch, wenn Freunde und Familie nicht sofort unterstützend wirken, sondern vielleicht erst einmal mit Ablehnung reagieren oder es schlechtreden, braucht es manchmal einfach nur etwas Zeit. Und nicht selten auch ein paar Gespräche, in welchen man seine Beweggründe erklärt, sodass das Gegenüber die eigenen Entscheidungen besser nachvollziehen kann.

2. Werde nicht dogmatisch

Veganer müssen immer wieder missionieren, anderen aufzeigen, dass sie schlechte Menschen sind, nur weil sie Tierprodukte essen usw. Die gängigen Klischees, die man irgendwann im Schlaf rauf und runterzwitschern kann.

Meistens wenn man für sich gerade die Erkenntnis gewonnen hat, dass man so wie man früher gelebt hat nicht weiter machen möchte, ist man motiviert das auch an sein Umfeld weiter zu geben. Denn man sieht die Welt einfach anders als vorher.
Fleisch ist nicht länger einfach nur ein Lebensmittel. Manchmal ist das mit Eiern und Milchprodukten genauso. Statt Genuss, sieht man nur noch Leid.
So möchte man sein Wissen weiter geben. Möchte an diesen Umständen etwas ändern.

Doch gerade das kann auch schnell nach hinten los gehen. Und, vor allen Dingen, wenn der andere nicht danach gefragt oder gar Interesse an einer pflanzlichen Lebensweise geäußert hat, kann das schnell missionarisch wirken und damit als lästig empfunden werden.

Zudem, niemand mag es, wenn ihm ein Gespräch aufgezwungen wird.

Auch als Veggie nicht. Insofern muss auch vom Gegenüber nicht alles kommentiert werden. So möchte man gleichbedeutend oftmals einfach nur in Ruhe essen und nicht wissen welche Meinung der fleischessende Nachbar zur veganen oder vegetarischen Nahrungsaufnahme vor seinem Blickfeld hat.

Von daher, so hoch die Motivation und das Bedürfnis in dieser Welt etwas zu verändern auch ist, Gespräche, basierend auf einer offenen Haltung, sind viel sinnvoller.

Also, lass dein Gegenüber auf dich zukommen.

Wenn man Fragen, basierend auf echtem Interesse gestellt bekommt, macht es außerdem gleich viel mehr Spaß darüber zu sprechen. Zudem freuen wir uns doch alle, wenn sich Menschen für das, was uns am Herzen liegt, interessieren und das vielleicht auch teilen.

 

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3. Bleibe sachlich

Manchmal erschien es mir in der Vergangenheit so, dass mein Gegenüber im krassesten Fall sogar mit Beleidigungen um sich warf, mir Anschuldigungen entgegen plärrte, dass ich teilweise die Welt nicht mehr verstand. Woher kam die Wut?
Nicht selten ertappte ich mich dann dabei ebenfalls wütend zu werden. Denn niemand möchte einfach so beleidigt und beispielsweise als Extremist beschimpft werden (nur weil es gesellschaftlich vielleicht normal zu sein scheint Veganer so zu bezeichnen).

Dennoch, auch wenn es manchmal schwer fällt, doch alles. das an gesellschaftlichen Strukturen rüttelt, wird kritisiert werden.

Von daher bleibe am besten sachlich und lasse dich nicht beirren.

Meist gibt Wut einer bereits angeheizten Diskussion nur noch mehr Zündstoff. Zudem sagt das Verhalten des anderen, wenn dieser beleidigend wird zum Beispiel, mehr über ihn aus, als über einen selbst.

Insofern, einmal tief ein und wieder ausatmen. Und manchmal auch aus dem Gespräch gehen.

Denn angeheizte Diskussionen, die schon das Terrain der Beleidigungen, Vorurteile und Kraftausdrücke passiert haben, sind kein guter Nährboden für eine fruchtbare Gesprächsführung.
Zudem erreicht man mit unsachlichem Verhalten meist eher das Gegenteil von dem was man eigentlich erreichen möchte. Nämlich, dass der andere potentielles Interesse verliert oder sich in seinen negativen Ansichten bestätitgt sieht. Insofern muss man gängige Vorurteile nicht bestätigen.
Aber auch sich Voruteilen zu ergeben, ist alles andere als hilfreich. Denn ob man sich diesen ergibt, oder nicht, entscheiden nicht die äußeren Umstände, sondern primär man selbst.

 

4. Eigne dir Wissen an

Wenn du weißt wovon du sprichst, kannst du die Beweggründe für deine Lebensweise auch anderen verständlicher machen. Denn nicht selten verbirgt sich hinter Unverständnis oder Ablehnung auch Angst bzw. Besorgnis. Und entsprechende Kenntnis über die Thematik kann es deinem Umfeld erleichtern dich zu verstehen.

Zudem dient Wissen auch dir selbst. Denn gerade im Bereich der veganen Ernährung ist es wichtig sich selbst über Dinge wie Vitamin B12 sowie die Gestaltung einer ausgewogenen Ernährungsweise zu informieren.

Aber auch für das Umfeld kann die Aneignung von Wissen sehr nützlich sein. Denn gerade in Gesprächen ist das ja oft das was für eine Disbalance sorgt. Für Unverständnis und Besorgnis, vielleicht auch für Wut und Ablehnung.
So gibt es hierzu inzwischen einige gute Informationsquellen. Seien es Bücher, Dokumentationen oder aber auch diverse Internetseiten, Broschüren uvm.
So würde ich einem jeden folgende Informationen als Basis an die Hand legen:

Dokumentationen

  1. Dominion
  2. Cowspiracy
  3. Gabel statt Skalpell
  4. Earthlings

Bücher

  1. Tiere essen
  2. How not to die
  3. China Study
  4. Dr. Neil Bernards Program for Reversing Diabetes

Informative Seiten

 

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5. Werde nicht herablassend

Egal ob man seit einem Monat pflanzlich lebt oder bereits mehrere Jahre, wir alle standen irgendwann einmal dort wo einige um uns herum stehen. So haben auch wir einmal Tierprodukte gegessen oder Kleidung aus Leder, Wolle usw. getragen.
Insofern, auch wenn man eine andere Sichtweise auf die Welt gewonnen und seine Meinung geändert hat, mit einer herablassenden Haltung werden wir andere wenig davon begeistern es uns gleich zu tun.

Denn man erreicht mehr mit positivem Vorleben.

Indem man zeigt, dass pflanzlich zu leben Freude bedeutet. Das Leben bereichert. Dass man sich vielleicht fitter und gesünder fühlt. Einfach eine entspannte, positive Haltung. All das wirkt viel anziehender als ungefragte Vorträge oder die Darstellung, dass man etwas Besseres sei als der andere.

Denn nur weil man vegan oder vegetarisch lebt, ist man nicht besser als andere Menschen.

Pflanzlich zu leben ist ein Aspekt von vielen, der einen Menschen im Gesamten charakterisiert. Insofern ist es in Ordnung Kritik zu äußern und zu seinen Ansichten zu stehen, man sollte sich jedoch ein gewisses Maß an Bescheidenheit bewahren, finde ich.

Anders herum gilt jedoch das gleiche.

Niemand mag es, wenn man ihm herablassend begegnet.

Insofern ist gegenseitiges Einfühlungsvermögen hier wichtig.

 

 

Was sind/waren eure Erfahrungen in Bezug auf euer soziales Umfeld?

 

Fotos: Pixabay.com

4 Kommentare zu „Pflanzlich leben und das soziale Umfeld…

  1. Ich bin ein unglaublich toleranter Mensch, bin auch mit einem Fleischesser verheiratet. Daher erzähl ich niemandem ungefragt was über Tierschutz. Will jemand diskutieren, tu ich das gerne, aber ich wünsche auch dem schnitzelessenden Nachbarn „Guten Appetit“ und gratuliere dem Grillmeister zu dem gut gelungenen Steak. Ich ess es halt nicht. Wobei ich bei Fisch schon mal ne Ausnahme mache – ich bin also nicht mal bei mir selbst fundamentalistisch 😉 .
    Vielleicht komm ich deshalb so gut weg – so gut wie nie doofe Kommentare, ganz im Gegenteil. Meine Tante meinte letztens bei ihrer Geburtstagsfeier „Ich hab für dich extra eine Gemüseplatte bestellt“, und die bekam ich dann sogar serviert und musste nicht mal zum Buffet gehen 😀 .
    Lg Barbara

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Barbara,
      ich denke gegenseitige Toleranz ist da genau das richtige Stichwort.
      Gerade ein lockeres und positives Vorleben erreicht oftmals mehr als Vorträge und Dogmatismus.
      Ich diskutiere auch sehr gerne. Denn ich finde ein offener Meinungsaustausch ist oftmals sehr bereichernd.
      So wünsche ich auch anderen,die Fleisch essen einen guten Appetit. Teil meiner beruflichen Tätigkeit als Altenpflegerin ist es auch Senioren Fleisch zu Essen einzugeben. Ja, teilweise auch das klein geschnittene Gulasch kühler zu pusten, wenn es dem Senior zu heiß ist.
      Und da ernte ich auch keine dummen Sprüche oder dergleichen. Nur eben wenn man auf Menschen trifft, die bereits schon eine vorgefasste und vorurteilsbehaftete Ansicht in sch tragen.

      Von daher finde ich es toll, wenn man sich gegenseitig entgegen kommt, wie das Beispiel deiner Tante beeweist. Denn genau so sollte es sein ;).

      Lg

      Liken

  2. Ich persönlich bekomme immer Gespräche aufgezwungen. Die beginnen meist mit dem Satz „Du isst doch vegan…?“ und enden dann in einem Vortrag warum mein Gegenüber das NIE könnte *augenroll* und ich denk mir dann immer nur „Hab ich dich gefragt!?“ und will einfach nur weg. Ich fange eigentlich nie eine Unterhaltung in diese Richtung an, eben weil viele total ablehnend reagieren. Also will ich die meiste Zeit garnicht darüber reden.

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Katharina,
      genau diese Erfahrung kann ich auch immer wieder bestätigen.
      Meistens ist es mein Gegenüber, das meine Ernährungsweise kommentiert.
      Von daher erschien es mir oft unverständlich, wenn man mir sagte man hätte schlechte Erfahrungen mit gar missionierenden Veganern gemacht. Denn von mir selbst ausgehend, machte ich immer die entgegen gesetzte Erfahrung.
      Ich beantworte gerne Fragen, wenn sie auf echtem Interesse beruhen. Aber so manche Kommentare wie eine vegane Ernährung sei ja einseitig oder ungesund (ohne entsprechendes Wissen hinter diesen Aussagen) möchte ich auch nicht hören ;).

      Lg

      Gefällt 1 Person

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